Wer verstehen will, warum Magazine wie Spex, Tempo oder Wiener bis heute nachwirken, kommt an Erika Thomalla kaum vorbei. Die Buchwissenschaftlerin und LMU-Professorin hat die Geschichte des deutschsprachigen Popjournalismus in ihrem 2025 erschienenen Buch „Gegenwart machen“ untersucht. Aktuell steht dabei vor allem die Frage im Mittelpunkt, was von dieser einst provokanten Form des Journalismus übrig geblieben ist. Ende August 2026 wurde dieses Thema erneut öffentlich diskutiert: In der am 28. August veröffentlichten Folge 333 des HSS-Podcasts sprach Thomalla über Rebellion, Subjektivität, Provokation und den Wandel der Medienwelt.
Erika Thomalla und die aktuelle Diskussion über Popjournalismus
Die aktuelle Aufmerksamkeit für Erika Thomalla hängt eng mit „Gegenwart machen. Eine Oral History des Popjournalismus“ zusammen. Das Sachbuch ist 2025 bei Schöffling & Co. erschienen und umfasst 256 Seiten. Thomalla rekonstruiert darin die Entwicklung einer journalistischen Schreibweise, die sich seit den späten 1970er-Jahren deutlich von klassischer Sachlichkeit absetzen wollte.
Im Mittelpunkt stehen nicht nur Musikmagazine. Popjournalismus war für Thomalla ein kulturelles und literarisches Phänomen. Zeitschriften und Magazine wie Sounds, Spex, Wiener und Tempo verbanden Popkultur, Politik, Alltag, Mode und Literatur. Ihre Autoren wollten nicht bloß über Pop berichten, sondern mit ihrer Sprache selbst Teil einer kulturellen Bewegung werden.
Besonders aktuell ist deshalb die Frage, ob diese Haltung heute noch existiert. Im HSS-Podcast „Was ist vom Popjournalismus geblieben?“ vom 28. August 2026 beschreibt Thomalla gemeinsam mit Moderator Christian Jakubetz den Wandel von einer analogen Magazinwelt hin zu digitalen Medien, Podcasts, Social Media und anderen Plattformen.
Was Erika Thomalla unter Popjournalismus versteht
Popjournalismus lässt sich nicht einfach mit Musikjournalismus gleichsetzen. Genau darin liegt ein zentraler Punkt von Thomallas Forschung. Die historische Popjournalismus-Szene arbeitete mit subjektiven Perspektiven, provokanten Formulierungen, Rankings, Klatsch, Trends und einer starken ästhetischen Haltung. Die Texte sollten nicht neutral wirken, sondern eine eigene Stimme entwickeln.
Das bedeutete auch, dass journalistische und literarische Formen näher zusammenrückten. In Magazinen wie Spex oder Tempo wurden Reportagen, Kolumnen, Interviews und Essays zu eigenständigen Stilformen. Das Publikum bekam nicht nur Informationen über Künstler, Politik oder Gesellschaft, sondern eine bestimmte Sicht auf die Gegenwart.
Thomalla interessiert dabei besonders die Verbindung von Literaturgeschichte, Mediengeschichte und journalistischer Praxis. Ihre Arbeit zeigt, dass Popjournalismus nicht nur ein kurzfristiger Modetrend war. Er beeinflusste Schreibweisen und prägte Autoren, die später auch im Literaturbetrieb bekannt wurden.
Das Buch „Gegenwart machen“ von Erika Thomalla
„Gegenwart machen“ ist als Oral History angelegt. Statt die Geschichte ausschließlich aus der Perspektive einer einzelnen Autorin zu erzählen, versammelt Thomalla zahlreiche Stimmen von Beteiligten. Der Verlag beschreibt das Projekt als eine Geschichte des Popjournalismus anhand von rund 100 Beteiligten und umfangreichem Bildmaterial.
Der Untersuchungszeitraum reicht grob von den späten 1970er-Jahren bis in die 2000er-Jahre. Dabei geht es um die Entwicklung von alternativen Stadtmagazinen und Musikzeitschriften bis hin zu größeren Lifestyle- und Medienmarken. Die Recherche zeigt, wie sich eine ursprünglich eher subkulturelle Schreibweise weiterentwickelte und schließlich selbst Teil etablierter Medienstrukturen wurde.
Das Buch ist deshalb auch eine Geschichte des Medienwandels. Was in kleinen Redaktionen und Szenemagazinen begann, fand später Eingang in größere Verlage und Feuilletons. Gleichzeitig veränderten sich die wirtschaftlichen Bedingungen des Journalismus. Print war lange das zentrale Medium für solche Formen von Popkultur-Berichterstattung; heute verteilt sich Aufmerksamkeit auf viele digitale Angebote.
Was vom Popjournalismus heute geblieben ist
Die Antwort von Erika Thomalla fällt differenziert aus. Sie sieht Elemente des Popjournalismus weiterhin in Fernsehen, Internet und sozialen Medien. Politische und kulturelle Themen würden noch immer häufig mit einem Fokus auf Ästhetik, Oberfläche und Inszenierung betrachtet. Gerade in einer stark medialisierten Welt könne diese Perspektive weiterhin relevant sein.
Was jedoch häufig fehle, sei die Reflexion über die eigenen medialen Bedingungen. In einem LMU-Beitrag zur Popliteratur erklärt Thomalla, dass die popjournalistische Perspektive heute durchaus zeitgemäß sein könne, während eine zusätzliche Reflexionsebene, wie sie manche frühere Magazine besaßen, seltener geworden sei.
Auch die Struktur der Öffentlichkeit hat sich verändert. Früher konnten einzelne Magazine über Wochen oder Monate hinweg eine gemeinsame kulturelle Debatte prägen. Heute entstehen solche Debatten gleichzeitig auf Nachrichtenportalen, Instagram, TikTok, Podcasts, Newslettern und anderen Plattformen. Dadurch ist die Reichweite einzelner Medienmarken weniger eindeutig.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Ideen des Popjournalismus verschwunden sind. Vielmehr haben sie sich verteilt. Persönliche Stimmen, starke Stilmittel, subjektive Einordnungen und die Verbindung von Kultur und Alltag gehören weiterhin zum digitalen Journalismus. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass diese Elemente heute in einer viel fragmentierteren Medienlandschaft auftreten.
Erika Thomalla als Professorin für Buchwissenschaft
Neben ihrer Arbeit zum Popjournalismus ist Erika Thomalla Professorin für Buchwissenschaft und Digitale Buchkultur an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die LMU führt sie als Juniorprofessorin für Buchwissenschaft/Digitale Buchkultur am Zentrum für Buchwissenschaft.
Ihre akademische Arbeit beschäftigt sich mit literarischer Produktion, Zusammenarbeit, Buchmarkt und digitaler Buchkultur. Laut LMU forscht sie seit März 2023 am Zentrum für Buchwissenschaft zu literarischer Produktion, Kollaboration und digitaler Buchkultur. Ihre Professur verbindet dabei historische Fragestellungen mit der Gegenwart des Literaturbetriebs.
Thomalla wurde 1986 geboren und hat unter anderem Germanistik, Medienwissenschaft, Gesang und Musiktheater studiert. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit arbeitet sie als Literaturkritikerin und Essayistin. Der Verlag Schöffling nennt unter anderem FAZ, Süddeutsche Zeitung, Freitag und FAS als Publikationsorte ihrer Texte.
Ihre Forschung erklärt auch, warum Popjournalismus für sie mehr ist als ein nostalgisches Thema. Sie untersucht, wie Texte entstehen, wie Medien kulturelle Wahrnehmung formen und wie sich literarische und journalistische Praktiken verändern. Der Blick zurück auf Magazine der 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahre dient damit auch dazu, aktuelle Medienformen besser zu verstehen.
Warum das Thema 2026 wieder relevant ist
Die aktuelle Diskussion über Erika Thomalla zeigt, dass die Geschichte des Popjournalismus keineswegs abgeschlossen ist. Im Mai 2026 war sie als Gast bei einem Workshop des DFG-Graduiertenkollegs „Gegenwart/Literatur“ an der Universität Bonn beteiligt. Thema war die Historisierung des Popjournalismus und die Methode der Oral History. Im Juli 2026 stellte sie „Gegenwart machen“ außerdem bei den Frankfurter Premieren im Gespräch mit Bernd Eilert und Eckhart Nickel vor.
Besonders passend zur aktuellen Medienlandschaft ist die Frage nach der Grenze zwischen Journalismus, Meinung, Unterhaltung und Selbstinszenierung. Während frühere Popmagazine bewusst mit diesen Grenzen spielten, sind solche Mischformen im digitalen Raum heute allgegenwärtig. Influencer, Podcaster, Newsletter-Autoren und Online-Magazine verbinden Information, persönliche Haltung und Unterhaltung oft in einem einzigen Format.
Gerade deshalb ist Thomallas historische Perspektive interessant. Sie macht sichtbar, dass viele vermeintlich neue Medienpraktiken Vorläufer besitzen. Der Unterschied besteht weniger darin, dass subjektives oder provokantes Schreiben neu wäre. Neu ist vor allem die Geschwindigkeit, Reichweite und Vielfalt der Plattformen, auf denen solche Inhalte entstehen.
Fazit: Erika Thomalla und die Zukunft des Popjournalismus
Erika Thomalla steht aktuell vor allem für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte und Wirkung des Popjournalismus. Ihr Buch „Gegenwart machen“ zeigt, wie eine zunächst subkulturelle Schreibweise seit den späten 1970er-Jahren journalistische und literarische Konventionen herausforderte und mehrere Generationen von Medienmachern beeinflusste.
Die entscheidende Erkenntnis lautet nicht, dass Popjournalismus verschwunden ist. Viele seiner Stilmittel leben weiter – in digitalen Medien, Podcasts, sozialen Netzwerken und modernen Kulturformaten. Verändert hat sich vor allem die Medienstruktur. Aus wenigen prägenden Magazinen ist eine Vielzahl konkurrierender Plattformen geworden.
Wer Erika Thomalla heute verstehen möchte, sollte sie deshalb nicht nur als Historikerin einer vergangenen Magazinkultur betrachten. Ihre Arbeit stellt eine aktuelle Frage: Wie schreiben wir über unsere Gegenwart, wenn Medien selbst immer stärker Teil dieser Gegenwart werden? Genau darin liegt die bleibende Bedeutung des Popjournalismus.
Mehr Stars entdecken: Biografien, Karriere, Familie, Lifestyle & aktuelle News – alles auf starfokus.de
FAQs
Wer ist Erika Thomalla?
Erika Thomalla ist Professorin für Buchwissenschaft und Digitale Buchkultur an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie forscht unter anderem zur literarischen Produktion, zur Buchkultur und zur Geschichte von Popliteratur und Popjournalismus.
Was ist „Gegenwart machen“ von Erika Thomalla?
„Gegenwart machen“ ist ein 2025 erschienenes Sachbuch über die Geschichte des deutschsprachigen Popjournalismus. Thomalla rekonstruiert darin die Entwicklung dieser journalistischen Schreibweise anhand zahlreicher Gespräche mit Beteiligten und ordnet sie medien- und literaturgeschichtlich ein.
Worum geht es bei Erika Thomalla und Popjournalismus?
Erika Thomalla untersucht, wie Popjournalismus seit den späten 1970er-Jahren journalistische Konventionen verändert hat. Im Fokus stehen subjektives Schreiben, Provokation, Ästhetik und die Verbindung von Journalismus und Literatur.
Was ist vom Popjournalismus geblieben?
Viele Stilmittel des historischen Popjournalismus finden sich weiterhin in digitalen Medien. Persönliche Perspektiven, starke sprachliche Stimmen, Inszenierung und die Verbindung von Kultur und Alltag sind weiterhin verbreitet. Die Medienlandschaft ist heute jedoch wesentlich stärker fragmentiert.
Ist Erika Thomalla Journalistin oder Wissenschaftlerin?
Erika Thomalla ist Wissenschaftlerin und Professorin für Buchwissenschaft/Digitale Buchkultur. Gleichzeitig ist sie publizistisch tätig und arbeitet als Literaturkritikerin und Essayistin. Der Verlag nennt unter anderem mehrere große deutschsprachige Zeitungen und Magazine als Publikationsorte.
Wann erschien „Gegenwart machen“?
„Gegenwart machen. Eine Oral History des Popjournalismus“ erschien 2025 beim Frankfurter Verlag Schöffling & Co. Das Buch umfasst 256 Seiten und ist als gebundene Ausgabe sowie als E-Book erhältlich.
Warum ist Erika Thomalla 2026 aktuell?
Erika Thomalla ist 2026 erneut wegen ihres Buches und ihrer Forschung zum Popjournalismus präsent. Am 28. August 2026 erschien eine HSS-Podcast-Folge mit ihr über die Frage, was vom Popjournalismus geblieben ist. Außerdem war sie 2026 bei wissenschaftlichen und literarischen Veranstaltungen zu dem Thema beteiligt.

Passionate celebrity news writer with years of professional blogging experience. I cover the latest celebrity updates, entertainment news, biographies, and trending stories with accuracy, speed, and engaging storytelling. My goal is to keep readers across Germany and Europe informed with fresh, reliable, and easy-to-read content every day.



